Ich habe bekanntlich einen DSL Anschluss bei Congstar beauftragt. Einen Tag nach der Bestellung ist klar, dass die Bereitstellung nicht wie bei der Bestellung angegeben innerhalb von 8 Tagen passieren soll, sondern erst einen Monat später. Das ist aber ein ganz anderes Thema, darüber wird es einen extra Post geben.
Was aber bei deren Preispolitik absolut unsinnig und schon die ökonomische (von der technischen ganz abgesehen) Inkompetenz offenbaren tut, ist dass man erstmal einen “Einmaligen Bereitstellungspreis: 39,99 EUR” dann einen “Techniker-Einsatz: 29,99 EUR” und dann noch die “congstar komplett 1 flex*, 24,99 EUR / Monat” extra zahlen muss, also das ist nicht in den 40 EUR enthalten, so wie anfänglich suggeriert.
Inkompetent ist dies deswegen, weil man somit erstmal 40 EUR “Strafe” zahlen muss um die Firma mit einem DSL Auftrag zu “belästigen”. Der Techniker Einsatz ist bei allen Firmen so, also das ist nun nichts ungewöhnliches, ist aber, wie im vorherigen Post schon erwähnt, auch eine Schweinerei.
In einer Zeit in der sogar Vodafone (und das ist schon nicht unbedingt eine Firma, die durch hohe Moral bekannt ist) Geld anbietet um zu den zu wechseln und alle Provider irgendwie Rabatte anbieten, damit man zu den wechselt, was an sich nach einer gesunden Konkurrenz stinkt, erlaubt es sich die Telekom Tochter die Leute mit falschen Versprechungen (über die Schaltungsdauer) zu stopfen und dann noch die Preispolitik so einzustellen, damit möglichst NIEMAND zu den kommt, ist schon ein eigenartiges business Modell.
Der Grund wieso ich zu Congstar wechseln will ist, dass es wohl kaum jemanden anderen gibt, der ohne MVL ein DSL des Telekom Netzes anbietet (bei 1und1 sind es 3 Monate MVL) und dass Congstar eine viel überschaubare Preisgestaltung hat, als 1und1 oder andere, bei den man am Ende nie weiss, wie viel die einen in Rechnung stellen werden. Die 40 EUR “Strafgebühr” um die “Frechheit” zu besitzen zu Congstar zu wechseln habe ich dabei in Kauf genommen.
Und das ist auch exakt der Grund wieso es diese 40 EUR, wie ich es nenne, einer “Strafgebühr” für all die “Schlitzohren” die es sich anmassen einen Vertrag, mit einer zu der Telekom zugehörigen Firma, zu wagen. Es ist also ökonomisch nichts anderes, als eine Abschöpfung der Produzentenrente, “weil die es können”.
Trotzdem ist das keine gute Idee von Congstar, weil es Menschen die falschen Anreize gibt. Und hier ist meine Kritik als gut gemeinter Rat zu verstehen.
Die Telekom, Vodafone und langsam auch o2 Telefonica verhalten sich schon nach dem Motto “nach uns die Sintflut“. Diese Firmen graben sich das Wasser ab, in dem sie die Märkte, von den diese abhängig sind, zerstören. Dabei trügt der Schein, dass die Telekom oder Vodafone bestimmt immer noch gut verdienen tut, das sicher, aber sehen wir uns doch um. Volkswagen erzielt doch auch Gewinnrekorde und trotzdem befinden die sich in der Perspektivenkrise.
Ich bin ursprünglich, und bin es teilweise immer noch, ein grosser Fan von Congstar und zwar nicht, weil diese so gut wären, denn da erlebe ich eben das Gegenteil, aber ich finde die Idee toll. Ich finde die Idee nicht nur toll, ich finde die zukunftsweisend und da gibt es durchaus Analogien zu der Automobilindustrie.
Genau so wie die Automobilindustrie sich aus der Kernkompetenz verabschiedet hat und deren Produkte nur noch zusammenbaut, genau so erging es der Telekommunikationsbranche, die anstatt sich auf den Ausbau und Betrieb der Netze zu Fokusieren, sich nur auf den Verkauf der Verträge beschränkt hatte. Man sieht also überall in den Städten und vor allen in deren Zentren, was besonders auffellend, aber auch teuer ist, diese Telekom- und Vodafone-Buden, wo schmarotzende Mitarbeiter rumstehen und einem unter Benutzung von jeder Art Demagogie und Lügen etwas im Akkord verkaufen wollen.
Das führt natürlich dazu, dass Leute (potenzielle Konsumenten) einen grossen Bogen um diese Gebäude machen und nur dann dort auftauchen, wenn es Probleme gibt und dann diese selbsternannten Mitarbeiter die aufgabe haben, diese Leute möglichst schnell zu verschäuchen, damit es dem Image nicht schadet.
Firmen haben das schon teilweise verstanden und haben viele Vodafone Buden geschlossen, die Telekom ist da aber noch nicht so weit und tut den Betrieb solcher idiotischen Stände weiter durch höhere DSL-, Telefon-, Mobilfunk-preise subventionieren. Also wer glaubt, dass das Geld was man der Telekom zahlt in die Kabel geht, der lebt nicht auf diesen Planeten. Auch das Auslandsgeschäft zB. in der Slowakei, dient der Telekom vor allem dazu, um die Profite aus den Töchtern abzuschöpfen und sich selber auszahlen. Das ist dann ein direkter Transfer von Wohlstand, von den ärmeren slowakischen Arbeiterschichten, in die besserverdienenden deutschen Oberschichten der Manager und Aktionäre. Das nenne ich die Telekom-Dauerrettung seit 1994. Und wenn die Telekom (egal in welchem Land) seine Netze ausbauen oder erneuern muss, dann springt natürlich IMMER der Steuerzahler ein und bezahlt das, weil sonst müssten die Zocker auf deren Milliardenprofite verzichten und das wollen wir ja nicht, also muss der Steuerzahler diese Profite “retten”. Bei Banken regen sich die Leute auf, bei der Telekom ist es NIE anders gewesen.
Die Politik allerdings fängt aber langsam an dazuzulernen und tut heutzutage nicht mehr (weder in Deutschland noch in anderen Ländern) die Aufträge ohne weiteres an die Telekom übergeben und sogar wurden gelegentlich auch geltende Verträge unter die Lupe genommen und nachverhandelt.
In Zeiten in denen es ein DSLAM von der Stange für 800 EUR zu kaufen gibt und die Carrier in der Zukunft nicht mehr nur von der Telekom dominiert werden, wobei ich schon die Aussage gehört habe, dass die Telekom überhaupt kein Peering mehr macht, wird es zunehmend leichter für kleinere ISP’s zu wachsen. Natürlich dient die Vorratsdatenspeicherung vor allem dazu, diese kleineren “Bedrohungen” aus dem Geschäft zu halten in dem man die Einstiegshürden so hoch setzt, dass das freie Eintreten in den Markt nicht möglich ist. Das zeigt auch nur den verzweifelten Kampf dieser alten ISP’s und vor allem deren Angst vor Gewinneinbussen, weil die können sich ein Leben nicht vorstellen, wo man nur noch Millionen anstatt Milliarden verdient. Das ist für die nicht lebenswert, da begehen die lieber Selbstmord.
Nun ist Congstar mit gut ausgearbeiteter Webseite und klaren Aussagen (auch wenn nicht immer wahr) und einer übersichtlichen Kontrolle über die Leistungen nicht das, was für die Telekom gerecht wäre, also eine entgültige Zerschlagung dieses Teufelskonzerns und der in Rechnungstellung aller vom Steuerzahler bezahlten Netze, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung einmal den Kunden nicht für dumm zu verkaufen und sich viel mehr darauf konzentrieren, was deren Kernkompetenz sein sollte. Allerdings habe ich zunehmend das Gefühl, dass dies anfangs nur dazu benutzt wird um die Kosten weiterhin niedrig zu halten und keine “Verkäufer” einstellen zu müssen, was nicht schlecht ist, solange die Telekom dann mehr Geld in Infrastruktur investieren kann und man für das, was man zahlt, auch die entsprechende marktkonforme Leistung bekommt.
Im UMTS Bereich ist Congstar heute schon eine positive Kraft im Markt, der die Preise nicht explodieren lässt. Die Leistung ist gut, die Preise sind erschwinglich, natürlich gäbe es da Potenzial nach oben, vor allem in der Datenvolumenmenge, aber die Richtung stimmt erstmal.
Es ist Fakt, dass der DSL Markt nicht zu den Hauptideen von Congstar gehörte, aber ich würde mir wünschen, dass es diese Wirkung auch dort hätte. Zumindest sind Pakete ohne MVL ein ganz guter Einstieg, also da stimmt die Richtung auch, allerdings ist das mit der Preispolitik nicht zu Ende gedacht worden und deswegen wird es auch erstmal kein Verkaufsschlager werden, denn wenn es einem nicht darauf ankommt, ob man gebunden ist oder nicht, gibt es vergleichbare Angebote auch für 25 EUR auch von Vodafone, und auch von Telefonica, ohne die ganzen Schickanen. Das gibt aber den Konsumenten die falschen Anreize bei den alten Providern zu bleiben eben NICHT zu wechseln. Desweiteren schädigt es die Philosophie des Unternehmens und führt letztendlich dazu, dass sich die Telekom mit einer gescheiterten Congstar Unternehmung in einer Welt wiederfindet, in der es kein DSL und kein auf dem Stand der Technik ausgebautes T-Mobile Netz mehr gibt.
Das die Telekom nun den weiteren schwerwiegenden Managementfehler begeht und nun wieder in die Kabelnetze investiert, die die vor Jahren abgegeben haben, kann nicht das bewirken was die Telekom damit bewirken will, also die Vertreibung der Mitbewerber, vielmehr kann das bedeuten, dass sich die Mitbewerber der alten teuren Technik entledigen, die Telekom von der Last heruntergedrückt wird, was eigentlich gut ist, denn dann wird die Telekom endlich mal auf Profite verzichten müssen, aber in der Zwischenzeit kann es passieren, dass die anderen schon längst mit Glassfasernetzen im Festnetzbereich und mit LTE im Mobilfunkbereich so weit vorangeschritten sind, dass die Telekom sich in einer fremden Umgebung wiederfindet, mit der das Unternehmen nichts mehr anzufangen zu wissen haben wird.